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Blog-Beitrag von Paulos Asbe, Risk Engineer und Head of Zurich Resilience Solutions Germany

Blog-Eintrag

Blog-Beitrag: Lieferketten unter Druck - Wie Klimarisiken globale Wertschöpfung verändern

Klimabedingte Extremwetterereignisse wirken sich hier und heute auf die wirtschaftliche Stabilität von Unternehmen aus. Sie treten häufiger, intensiver und weniger vorhersehbar auf. Gleichzeitig werden regulatorische Anforderungen komplexer, Lieferketten globaler und Abhängigkeiten kritischer.

Seit vielen Jahren begleite ich Unternehmen bei der Analyse und Entwicklung von Resilienzstrategien. In kaum einem Bereich zeigt sich heute so klar wie in der Lieferkette: Robustheit entscheidet über Wettbewerbsfähigkeit.

Denn Störungen durch Wetterextreme wie Überschwemmungen, Hitzewellen, Stürme oder Brände können Produktionsstopps, Umsatzverluste und massive Zusatzkosten auslösen – entlang der gesamten Wertschöpfungskette.

Klimarisiken treffen Lieferketten an ihren verwundbarsten Stellen

Klimabedingte Extremwetterereignisse bringen Risiken mit sich, die nicht mehr lokal begrenzt bleiben. Moderne Lieferketten sind eng miteinander vernetzt – fällt ein einzelnes Glied aus, kann sich die Störung global ausbreiten.

Reale Ereignisse der vergangenen Jahre haben dies eindrucksvoll gezeigt:

  • Die Überschwemmungen in Thailand (2011), die große Teile der globalen Elektronik und Automobilproduktion lahmlegten.
  • Die Buschfeuer in Australien (2019/2020), die zu monatelangen Materialengpässen führten.
  • Der Hurrikan Harvey (2017), dessen Auswirkungen sich tief in die petrochemische Lieferkette einschrieben.

Solche Ereignisse bleiben keine Ausnahme. Sie werden zu einem strukturellen Faktor – und verlangen nach strukturellen Antworten.

Mein Eindruck: Viele Unternehmen haben erkannt, wie bedeutend die Klimaresilienz ihrer Lieferketten geworden ist. Aber sie unterschätzen häufig die Geschwindigkeit, mit der diese Risiken zunehmen – und wie stark ein einzelner Standort die gesamte Wertschöpfung beeinflussen kann.

Zunehmende Regulierungsdichte wird zum Risikofaktor

2026 ist ein Schlüsseljahr für klimabezogene Offenlegungspflichten. Neue Regularien verlangen nicht nur genaue Emissionsdaten, sondern auch ein tieferes Verständnis der eigenen Abhängigkeiten. Gleichzeitig wird die zunehmende Regulierungsdichte selbst zu einem Risikofaktor. Das deutsche Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz (LkSG) steht exemplarisch für diese Entwicklung: Sein Anspruch, Umwelt- und Menschenrechtsrisiken wirksam zu adressieren, ist unbestritten. In der praktischen Umsetzung berichten jedoch viele Unternehmen von erheblichem bürokratischem Aufwand und begrenzter Steuerbarkeit entlang komplexer, globaler Lieferketten.

CDU‑Generalsekretär Carsten Linnemann warnt in diesem Zusammenhang vor einer Überlastung der Unternehmen durch umfangreiche Dokumentationspflichten und plädiert für eine stärkere Fokussierung auf einheitliche europäische Regelungen sowie auf wirksame Kontrollen statt detaillierter Nachweispflichten. Insbesondere für den Mittelstand sieht er durch das Gesetz Wettbewerbsnachteile, die Transformations- und Resilienzanstrengungen erschweren können.

Vor diesem Hintergrund wird deutlich: Regulatorische Forderungen können kontraproduktiv sein und ersetzen kein risikobasiertes, datenfundiertes Risikomanagement. Entscheiden ist, regulatorische Anforderungen so umzusetzen, dass sie tatsächliche Risiken adressieren, Prioritäten ermöglichen und unternehmerische Handlungsspielräume nicht weiter einschränken.

Klimarisiken werden zum Treiber strategischer Anpassung

Unternehmen sind zunehmend verpflichtet – aber auch motiviert –, ihre Lieferketten aktiv widerstandsfähiger zu gestalten. Das betrifft regulatorische, wirtschaftliche und operative Anforderungen.

Wichtige Treiber:

  • Handels und Zollpolitik: Klimastandards beeinflussen Zölle, Preise und Marktverfügbarkeit.
  • Finanzmarktregulierung: Nachhaltiges Risikomanagement wird Voraussetzung für günstige Finanzierung.
  • Produkt und Verpackungsvorgaben: Neue Designanforderungen verändern Lieferkettenprozesse.
  • Versicherbarkeit: Höhere Klimarisiken führen zu angepassten Prämien und höheren Anforderungen an Risikomanagement.
  • Arbeits- und Menschenrechtsstandards: Der Klimawandel verschärft soziale Risiken – Unternehmen müssen reagieren.

Was ich in der Praxis beobachte:

Viele Organisationen erleben aktuell den größten Transformationsdruck seit Jahren. Gleichzeitig entstehen Chancen, Lieferketten resilienter, transparenter und nachhaltiger auszurichten – ein klarer Wettbewerbsvorteil.

Wenn Klimarisiken auf Geopolitik treffen: Lieferketten im permanenten Stresstest

In den vergangenen Jahren zeigt sich immer deutlicher: Lieferketten stehen nicht nur unter dem Druck physischer Klimarisiken, sondern zunehmend auch unter dem Einfluss geopolitischer und geoökonomischer Verwerfungen.

Für Unternehmen bedeutet das: Extremwetterereignisse lösen Störungen aus – und politische Spannungen, Handelsrestriktionen oder Sicherheitslagen entlang zentraler Transportwege können diese Störungen verstärken, verlängern oder in andere Regionen verlagern.

Gerade in hoch vernetzten Wertschöpfungssystemen entstehen dadurch Kaskadeneffekte: Verzögerungen auf See- oder Landrouten, kurzfristige Umleitungen, steigende Fracht- und Energiekosten, aber auch Engpässe bei kritischen Vorprodukten und Rohstoffen.

Resilienz wird damit noch stärker zur Frage strategischer Szenarien. Aus meiner Sicht gilt: Wer Klimaresilienz in der Lieferkette aufbaut, sollte geopolitische Risikofaktoren konsequent mitdenken – nicht als separates Risiko, sondern als Verstärker, der Eintrittswahrscheinlichkeiten, Wirkungsdauer und Schadenshöhe maßgeblich beeinflussen kann.

Vier Strategien, um Lieferketten jetzt widerstandsfähiger zu machen

Diese fünf Maßnahmen haben sich bei unseren Unternehmenskunden als besonders wirksam erwiesen:

1. Diversifizierung der Lieferquellen

Regionale Abhängigkeiten minimieren, alternative Bezugsquellen aufbauen und kritisch exponierte Hotspots identifizieren.

2. Einsatz prädiktiver Analytik

Datengetriebene Entscheidungen ermöglichen es, extreme Wetterereignisse frühzeitig zu erkennen und Szenarien durchzuspielen.

3. Stärkung der Infrastrukturresilienz

Anpassungen an physischen Standorten – von Schutzmaßnahmen bis zu Notfallkonzepten – sind entscheidend für Kontinuität.

4. Kollaboratives Risikomanagement

Resilienz entsteht im Netzwerk: Lieferanten, Logistiker und Partner müssen gemeinsam denken und handeln.

5. Integration in das Business Continuity Management

Lieferketten und die daraus resultierenden Risiken sollten systematisch im Business Continuity Management berücksichtigt werden. Nur wenn Abhängigkeiten, kritische Lieferanten, alternative Bezugswege und potenzielle Ausfallfolgen in Notfall- und Wiederanlaufplänen mitgedacht werden, lässt sich die operative Handlungsfähigkeit im Störungsfall wirksam absichern.

Unternehmen, die diese Hebel früh und konsequent einsetzen, können Klimarisiken abfedern, Kosten vermeiden und ihre Marktposition stärken.

Wie wir Unternehmen auf diesem Weg unterstützen

Bei Zurich Resilience Solutions verbinden wir Klimadaten, Risikomodelle und ingenieurwissenschaftliche Expertise. Unser Team analysiert Klimarisiken entlang kompletter Lieferketten – und macht diese über das ZRS Climate Spotlight Portal transparent und verständlich.

Diese objektiven Daten schaffen eine fundierte Basis für Entscheidungen:

  • Wo entstehen Risiken?
  • Wie entwickeln sie sich bis 2030, 2050 oder darüber hinaus?
  • Welche Maßnahmen reduzieren Risiken am effektivsten?

Unsere Erfahrung zeigt: Je früher Unternehmen mit dieser Analyse beginnen, desto kosteneffizienter und wirkungsvoller können sie ihre Klimaresilienz steigern.

Resilienz ist kein Zustand – sondern ein Weg

Klimabedingte Extremwetterereignisse verändern die Regeln globaler Lieferketten nachhaltig. Doch genau darin liegt die Chance: Unternehmen können ihre Resilienz stärken, Abläufe optimieren und resilienter aus dieser Transformation hervorgehen.

2026 ist ein entscheidendes Jahr.

Ich bin überzeugt: Wer heute mutig investiert, wird morgen stabiler, nachhaltiger und erfolgreicher sein.

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