Blog-Eintrag —
Blog-Beitrag: Hitzewellen, Dürre, Starkregen: Warum Wasser zum entscheidenden Resilienzfaktor wird
Zusammenfassung
Wasser entwickelt sich zunehmend zu einem der zentralen Resilienzthemen in Deutschland. Hitze, Dürre, Wasserknappheit, Starkregen und Hochwasser zeigen, wie stark Extremwetter Städte, Wirtschaft und kritische Infrastrukturen beeinflussen. Paulos Asbe, Head of Zurich Resilience Solutions Germany verdeutlicht in seinem Blog-Beitrag, dass Wasserresilienz weit über Umweltfragen hinausgeht und zu einer Voraussetzung für Versorgungssicherheit und Zukunftsfähigkeit wird.
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Hitzewellen, Dürre, Starkregen: Warum Wasser zum entscheidenden Resilienzfaktor wird
Wenn ich mit Unternehmen, Kommunen oder Infrastrukturbetreibern über Risiken spreche, stehen meist Feuergefahren, geopolitische Spannungen oder Lieferkettenprobleme im Mittelpunkt. Wasser wird häufig unterschätzt.
Dabei bin ich überzeugt, dass Wasser in den kommenden Jahren zu einem der wichtigsten Resilienzthemen für Deutschland werden wird. Die vergangenen Wochen haben das erneut deutlich gemacht. Extreme und lange andauernde Hitze, Trockenheit, lokale Wasserknappheit wie sie derzeit beispielsweise die Stadt München erlebt, und gleichzeitig immer wieder auftretende lokale Starkregen- und Unwetterereignisse wie Anfang der Woche im Norden Deutschlands, zeigen, wie stark Extremwetter unseren Alltag inzwischen beeinflusst. Wasser ist dabei der gemeinsame Nenner.
Zwischen Dürre und Hochwasser
Wir erleben beide Extreme gleichzeitig. Wasser kann gleichzeitig zu wenig und zu viel vorhanden sein. Auf der einen Seite erleben wir häufiger Hitzeperioden und längere Trockenphasen, was zu Dürre führt. Auf der anderen Seite führen Starkregenereignisse innerhalb weniger Stunden zu Überflutungen.
Genau diese Gegensätze machen Wasser zu einem systemischen Risiko.
Eine internationale Befragung von 5.000 Bewohnerinnen und Bewohnern urbaner Räume durch Economist Impact mit Unterstützung der Zurich Insurance Group zeigt, dass Wasserinfrastrukturen mittlerweile als die weltweit verwundbarste kritische Infrastruktur wahrgenommen werden – noch vor Energie- oder Verkehrssystemen.
Aus meiner Sicht ist das nachvollziehbar. Kaum ein anderes Thema berührt gleichzeitig Gesundheit, Wirtschaft, Versorgungssicherheit und Lebensqualität so stark wie Wasser. Dennoch verbinden viele Menschen Wasserknappheit noch immer mit Südeuropa oder besonders trockenen Regionen der Welt. Doch auch in Deutschland wird zunehmend darüber diskutiert, wie Wasser künftig genutzt und verteilt werden soll.
Funktionsfähigkeit ganzer Systeme gefährdet?
Dabei geht es nicht nur um Trinkwasser.
Wasser wird in der Industrie, in der Landwirtschaft, zur Kühlung von Anlagen, für Grünflächen und viele weitere Zwecke benötigt. Wenn Trockenphasen länger werden, entsteht aus diesen verschiedene Nutzungsinteressen ein Interessenkonflikt.
Deshalb ist Wasserresilienz längst nicht mehr nur ein Umweltthema. Es geht um die Funktionsfähigkeit ganzer Systeme.
Fünf Jahre nach der Ahrtal-Flut
Gleichzeitig erinnert uns der Blick zurück daran, welche Folgen das Extrem zu viel Wasser haben kann.
In diesen Tagen jährt sich die Flutkatastrophe im Ahrtal zum fünften Mal. 135 Menschen verloren damals ihr Leben. Die Schäden beliefen sich auf über 40 Milliarden Euro. Bis heute gilt das Ereignis als die teuerste Naturkatastrophe der jüngeren deutschen Geschichte und hat auf tragische Weise gezeigt, welche Auswirkungen Extremwetterereignisse auf Menschen, Infrastruktur und Unternehmen haben können.
Bei einem kürzlichen Besuch einer Zurich Exkursion ins Ahrtal wurde deutlich, wie viel seitdem erreicht wurde. Wiederaufbau, verbesserte Warnsysteme und ein gestiegenes Risikobewusstsein zeigen Fortschritte. Gleichzeitig hat die Diskussion vor Ort verdeutlicht, dass Vorsorge kontinuierliche Aufmerksamkeit benötigt. Erfahrungen aus vergangenen Ereignissen müssen dauerhaft in Planung, Bauvorschriften und Risikomanagement einfließen. Echte Resilienz entsteht nur in Kombination mit konsequenter Prävention.
Eine Schwammstadt als Modell für resiliente Städte?
Eine der überzeugendsten Antworten auf Wasserknappheit und Starkregen ist das Konzept der Schwammstadt. Die Idee dahinter ist einfach: Regenwasser soll nicht möglichst schnell abgeleitet, sondern dort gespeichert werden, wo es fällt. Zu den wichtigsten Maßnahmen gehören:
- begrünte Dächer
- entsiegelte Flächen
- Regenwasserspeicher
- Stadtbäume und Grünräume
- wasserdurchlässige Oberflächen
- renaturierte Gewässer und Flussräume
Der große Vorteil einer Schwammstadt: Teilweise können dieselben Maßnahmen sowohl bei Starkregen als auch bei Trockenheit helfen. Sie reduzieren Überschwemmungsrisiken, verbessern die Wasserspeicherung und tragen gleichzeitig dazu bei, Städte während Hitzewellen lebenswerter zu machen.
Unterschätztes Infrastrukturrisiko: fallende Grundwasserspiegel
Bisher viel zu wenig beachtet wurde im Kontext Dürre auch die damit einhergehenden Grundwasserspiegel. Dadurch trocknen Trink- und Brauchwasserbrunnen aus und die austrocknenden Bodenschichten führen zu ungleichmäßigen Setzungen, was zu Rissen in Gebäuden, Abscheren beziehungsweise Brechen von Leitungen und Rohren im Untergrund führt. Diese nachgelagerten Effekte finden bisher kaum Bedeutung in der Öffentlichkeit, obwohl sie häufig der Grund für plötzliche Risse in Mauerwerken sind. Ein unterschätztes Risiko für die Infrastruktur von Städten. Das aktuelle Beispiel der Stadt München zeigt bereits jetzt, was Wasserknappheit für Kommunen und ihre Bürgerinnen und Bürger bedeuten kann.
Wasserresilienz beginnt lange vor der Krise
Eine Beobachtung zieht sich durch viele Projekte, die wir bei Zurich Resilience Solutions begleiten. Die größten Schäden entstehen häufig nicht durch unbekannte Risiken, sondern durch bekannte Risiken, auf die niemand ausreichend vorbereitet war.
Resilienz entsteht deshalb nicht während einer Krise. Sie entsteht in der Planung neuer Industrie- und Wohngebiete, beim Ausbau kritischer Infrastrukturen und in Investitionsentscheidungen.
Wasser entscheidet über die Zukunftsfähigkeit von Städten
Wer wissen möchte, wie widerstandsfähig unsere Städte künftig sein werden, sollte auf das Thema Wasser schauen. Die Kombination aus Hitze, Trockenheit, Wasserknappheit, Starkregen und Hochwasser zeigt, dass Wasser zu einer der zentralen Zukunftsfragen geworden ist.
Die Lösungen sind bekannt. Jetzt kommt es darauf an, dieses Wissen konsequent in Handeln zu übersetzen. Denn die entscheidende Frage lautet nicht, ob das nächste Extremwetterereignis kommt. Die entscheidende Frage lautet, wie gut wir darauf vorbereitet sind.